· 

Über das Wachsen ....

 

Die Kriegerin des Lichts hat lang geschlafen. Nun war es Zeit, zu erwachen.

 

Wie die Knospe einer Lotusblume lag sie zugedeckt unter einer dicken Decke aus Schlamm, Ästen, Blättern und Pflanzenteilen im Boden des Teichs.

 

Sie versuchte sich zu recken.

Sie wollte wachsen, sich verändern; sie spürte, das war noch nicht alles - sie war noch nicht die, die sie sein sollte - sie hatte doch so viel zu geben!

 

Und gleichzeitig war da das Gefühl von Schwere - keine Kraft, um all den Morast und Unrat über sich beiseite zu schieben

 

Sie brauchte Energie dafür - und Entschlossenheit. Doch woher nehmen? So viel Ballast lag auf ihr - Schicht für Schicht - alles, was in den letzten Jahren mit den Strömungen herbeigetragen und abgelagert wurde und sich um sie angesammelt hatte - sie um sich angesammelt hatte....

Das einzige, was sie umgab, war dieser Morast - für irgendetwas musste der doch gut sein? 

Denn tief in ihr war diese Stimme -  sie musste erblühen .... - und plötzlich war klar: sie würde aus dem was war und ist, das Beste machen, es in Energie umwandeln und so für sie nutzbar machen. 

Sie sammelte Nahrung und sammelte Power - und wieder versuchte sie sich zu recken und zu wachsen. 

 

Und endlich: Es gelang ihr, sich ein Stück weit durch den Schlamm in die Höhe zu schieben – aus ihrem kleinen Stängelchen wurde langsam ein festeres Stämmchen – und immer weiter wuchs sie – durch die dicke Schicht schweren klebrigen dunkelbraunen Morasts, der zugleich Ballast aber auch Nährstoff war. Kraft schöpfen, sich nicht beirren lassen durch „Ich kann das nicht“ oder „alles ist so schwer“ – das alte Opferding ... sie entschied sich - einfach immer weiter zu wachsen.

 

Sie sammelte Kraft und wuchs in die Höhe - immer mehr; die Schlammschichten wurden dünner, leichter, lichteten sich endlich – bis die ersten kleinen Spitzen ihrer äusseren Blütenblätter endlich das reine Wasser des Teiches erreichten. 

 

Was für eine Wohltat! Frisches, kühles Nass!  

Jetzt ging es leichter - durch die Wasserschicht zur Oberfläche hin konnte sie schon sehen, wie sich die Sonnenstrahlen im Wasser spiegelten und auf den Wellen huschten. 

 

Weiter, immer weiter an die Wasseroberfläche wuchs sie, wo sie nun ihre Blütenblätter öffnen konnte und im warmen Sonnenlicht endlich als die wunderschöne Lotusblume erblühte, die sie war.

 

Wo sie sich endlich zeigen konnte - als die beste, wohlriechendste und schönste Lotusblüte, die sie nur sein konnte. 

 

Und die Kriegerin des Lichts erwachte.

 

(© Amira Susanne Reh, Dezember 2018)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0